Habe ich dich unterwegs fotografiert? Siehe unter Nachlese und dem Land.

Did I take your picture on the way? See under gleanings and the country.

Die ich traf: in Dänemark (2. Etappe, 2020, 2.) // Whom I met: in Denmark (2. stage, 2020, 2.)

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Verkehr
per Fahrrad
Transit

Auf dem ersten Campingplatz in Dänemark – den wir recht spät erreichen, weil wir Catharinas ersten Platten flicken mussten – zelteten neben uns Jolande und Aalt aus Utrecht. Er unterrichtet Niederländisch – wir sprachen u. a. darüber, wie das online zu Corona-Zeiten geht, sie hat früher Englisch unterrichtet, ist aber auch künstlerisch tätig, wie man auf ihrem Instagram-Account als „Jollande” sehen kann. Nach langen Gesprächen am Abend trafen wir sie am übernächsten Abend an und auf der Fähre nach Søby auf AErø wieder und dann auf dem Campingplatz in Søby. Sie sind mit dem Auto angereist und fahren mit dem Rad die Ostseeroute 8 in Dänemark.

Henne und John sprachen uns an, als wir den schmalen Gendarmstieg direkt an der Küste fuhren. Sie hätten unsere Räder schon früher gesehen – da haben wir wohl gerade in einem Bistro etwas Erfrischendes getrunken (und eigentlich auch einen Salat bestellt, aber nachdem der Salatanteil daran – nicht übertrieben! – aus 3 Balsamicoblättchen und 4 Tomatenschnitzen bestand, doch darauf verzichtet). Sie fanden das Projekt der Ostseeumrundung spannend und fragten uns jetzt nach unserer Tour. Sie selbst machten einen Wochenend-Ausflug mit den Mountainbikes, eigentlich aus Skagen kommend.

Die nächste Nacht zelteten wir „halbwild“ – in der Nähe eines kleinen Platzes, auf dem man campen darf; insgesamt gab es aber viel mehr Zelte auf der angrenzenden Wiese. Den Platz hatte ich letztes Jahr erprobt; durch die unmittelbare Nähe zum Hafen Høruphav bot er (wenn man eine Hafenkarte buchte, gegen geringe Gebühr) alle Annehmlichkeiten, die man sonst auf einem Campingplatz erkauft. Jan Henrik war der erste, der uns bei unserem Frühstück am Abfahrtstag an einem Banktisch im Hafen auf unser Schild ansprach. Er ist dort gebürtig und kommt als Segler gerne dahin zurück und freut sich, dass die Deutschen so vielen Liegegebühren bringen, was es dem Ort leicht macht, die Bedingungen für die Segler zu verbessern. Allerdings meinte er auch, dass im Trend zum Segeln auch Leute große Boote kaufen, die damit gar nicht umgehen können.

Karen und Gitta aus Lübeck hatten nur 5 Tage Zeit und sind deshalb mit dem Zug nach Flensburg gefahren und von da mit dem Rad unterwegs, jetzt treten sie gerade den Rückweg an.

Hans Henrik wohnt mit seinem Hund Alto in der Nähe vom Hafen; er hat nach der Ostseetour gefragt – das Schild schafft wirklich Kontakte! –, aber es kam zu keinem längeren Gespräch, weil wir gerade im Aufbruch waren.

Weil Rahel mich nach meinem Schild fragte, lernten wir diese Familie näher kennen: Sebastian, Martin, Rahel und Katja aus Dresden. Wir fuhren dann auf der gleichen Fähre, freundeten uns an und fuhren dann gemeinsam zum Zeltplatz Søby.

Die Familie frühstückte morgens am Strand, mit dabei ist Lerke (links vorne), die sich mit Rahel angefreundet hat und die sehr viel zusammen gespielt und gemalt haben.

Hier haben wir gemeinsam zu Abend gegessen und danach eigentlich alle Mahlzeiten. An den Abenden tauschten wir uns intensiv über Privates und Berufliches, unsere Sicht der Welt usw. aus – und natürlich über die Erfahrungen, die wir mit unseren Kindern machen.

Martin ist ein exzellenter Fotograf (mit einfachen Mitteln), spezialisiert auf Detail- oder gar Makroaufnahmen von Flora und Fauna – hier ein Frosch am kleinen Teich auf dem Campingplatz.

Rahel schenkte uns zum Abschied einen bemalten Stein – wie hier zu sehen wunderschön eingepackt.

Hier ist Lerke mit ihrem Papa Jonas, der in Oldenburg im Fahrradladen Speiche arbeitet. Jonas campiert auch im Winter bei minus 30 Grad in Schweden!

Hier ist die ganze Familie zusammen – natürlich haben alle die Räder dabei! Von links, vor ihrer Übernachtungshütte auf dem Campingplatz Søby: Olga, Mira, Jonas, Lerke.

Randy hat hier das Sagen – sie gestaltet seit einem Jahr diesen „essbaren Campingplatz” in Søby – es kam sogar das Fernsehen, um darüber zu berichten (siehe folgendes Bild).

Alle Zelt- und Stellplätze auf dem Platz sind mit solchen Pflanzenkübeln voneinander abgetrennt, in denen meistens essbare Kräuter gepflanzt und zum Gebrauch bestimmt sind.

Sie ist nicht nur überaus freundlich, sondern hat immer ein Auge für die Bedürfnisse anderer; ob mir Feuer zum Anzünden des Kochers fehlt oder den Kindern Papier zum Zeichnen. Hier half Randy uns bei der Buchung der Fähre, weil die Seite auf dänisch ist. Sie war mit ihrem Mann mehrere Jahre in der Welt unterwegs; zuerst in einem Camper, dann in einem LKW, den sie sich ausgebaut haben und in dem sie immer noch leben.

Randys Sohn Rasmus ist der zweite von vier Familienmitgliedern, die den Campingplatz betreiben; seine zukünftige Frau (sie heiraten im Oktober) und Randys Mann eher im Hintergrund.

Jasmin aus Kopenhagen ist mir der vier Monate alten, sehr süßen Skibbi auf dem Fahrrad unterwegs. Eigentlich sollte es eine große Reise im Balkan werden – aber Corona hat einen Strich durch die Rechnung gemacht und sie fahren jetzt durch Dänemark. Jasmin war schon mehrfach mit dem Rad in Spanien und Portugal bis Marokko.

Bei einem Tagesausflug nach Marstal haben wir in diesem Fischrestaurant direkt am Hafen hervorragend gegessen – es gab sogar ein veganes Gericht auf der Karte. Und wir haben den Tag gefeiert und diesen Urlaub und das Leben … Am Tag darauf haben wir uns dann doch von unserem Lieblings-Campingplatz getrennt – nachdem wir eine Woche statt wie geplant einer Nacht da waren – und sind nach Svendborg geschippert.

Aus einem akribisch geplanten südfynischen Inselhopping zu sieben Inseln bei drei Übernachtungen wurde leider nichts – wir hatten übersehen, dass das Angebot am Vortag – dem letzten Ferientag in Dänemark – endete und die Fähren nicht mehr fuhren. Aber uns blieb die Fähre nach Skarø, wo ich mit dieser bezaubernden Familie ins Gespräch kam: Mina aus Aarhus und Søren aus Svendborg – glücklich mit ihrem fünf Monate alten Sohn Frederik.

Klaus und Monika hatten wir schon auf dem Campingplatz in Søby gesehen, waren aber nicht in Kontakt miteinander gekommen. Auf der Fähre von Skarø nach Drejø holten wir das nach, trafen uns auf der Insel vor dem Laden wieder, tranken zusammen was und fuhren dann zum alten Hafen, um dort unsere Zelte aufzuschlagen und zu übernachten. So lernten wir die beiden Emder näher kennen. Klaus’ Leidenschaft ist eigentlich das Seekajak-Fahren, er ist sogar schon in Spitzbergen gepaddelt!

Elna und Torben aus Faaborg sind Stammgäste hier – seit 20 Jahren schippern sie mit ihrem Folkeboot – eines der letzten, das noch aus Holz gebaut wurde – durch die Insellandschaft von Südfynen.

Kira und Thomas kamen mit dem Kajak und zelteten neben uns. Thomas hat bereits 1992 große Teile der Ostsee mit dem Rad umrundet; besonders aufregend fand er es in Russland und Sankt Petersburg, wo es ein halbes Jahr nach den politischen Umwälzungen so unsicher war, dass selbst die Grenzer ihn warnten und fragten, ob er denn wirklich einreisen wolle.

Immer wieder kamen wir mit Torben ins Gespräch, der sehr viel über diese Gegend zu berichten wusste – und natürlich über die Gepflogenheiten auf diesem Platz, der eigentlich Segler- und Kajakfahrer*innen vorbehalten ist – aber wir Radler wurden geduldet, wohl weil der Platz sonst frei war – es kam jemand, der abends die Flagge herunterholte und morgens wieder hisste. Dazu erzählte uns Torben zum Beispiel, dass wenn die Fahne nachts hängen bliebe, sie der Sage nach dem Teufel dienen würde.

Wir hatten uns auch über den Roman „Wir Ertrunkenen“ unterhalten, der in Marstal spielt – Torben und Elna erzählten von der Aufführung der belgischen Theatergruppe „Walpurgis“, die ihn dramatisiert und hier in einem Dock aufgeführt haben; besonders beeindruckt hat ihn dabei die Verwendung der Musik, die die Stimmungen jeweils untermalt hat. Er erzählte auch von verschiedenen Jazz-Festivals in der Gegend und dass sein Neffe auf Skarø jedes Jahr (außer 2020) Ende Juni ein Festival veranstaltet, zu dem ca. 1500 Menschen kommen – und wo er Karten abreisst.

Bevor wir gemeinsam zur Fähre fuhren, machten Klaus und Monika, mit denen wir auch abends und morgens zusammen gegessen und uns viel unterhalten haben, und wir noch gegenseitig Fotos von einander. Die beiden wollten Station auf Skarø machen, …

Den Käscher schwenkte Catharina über meinem Kopf, um Monika und Klaus zum Lachen zu bringen – leider hat sie dann „vergessen“, ihn runter zu nehmen, als wir fotografiert wurden 😉

Lotte schaute sich am Strand von Tullebølle auf Langeland meine Steinskulpturen an, fotografierte sie und fragte mich, ob ich ein Künstler sei 🙂 Sie ist Dänin aus der Nähe von Aarhus und zum ersten Mal in diesem Landesteil – sie und ihr Mann seien sonst auf dem Festland geblieben und jetzt ganz begeistert, was es hier zu entdecken gibt. Sie verriet mir, dass genau an diesem Strand 1819 die dänische Nationalhymne von Adam Oehlenschläger gedichtet worden sein soll, die heute z. B. bei Sportveranstaltungen gespielt wird (es gibt laut Wikipedia noch eine andere Hymne, die zu offiziellen Anlässen der Monarchie gespielt wird).

Diese wunderbare, über 200 Jahre alte Buche soll ihn inspiriert haben – sie wird seitdem die Oehlenschläger-Buche genannt. Und so geht der Text der ersten Strophe: Es liegt ein lieblich Land Im Schatten breiter Buchen Am salz’gen Ostseestrand. An Hügelwellen träumt’s, im Tal, Alt-Dänemark, so heißt es Und ist der Freya Saal.

Catharina hatte die Idee, an ihr unsere Kletterkünste zu erproben: Zuerst ich, …

… dann Catharina.

Zwei Tage später, dieselbe Stelle am wunderbaren Baum, haben wir neue, besondere Menschen kennengelernt: Bent und Lone aus Kopenhagen. Sie betrachten unsere Räder und sind selbst Radler, haben beide nicht mal einen Führerschein. Sie sind immer mit dem Rad zur Arbeit gefahren (sein Shirt bezieht sich darauf) und auch im Urlaub – wie wir eher gemütlich mit ca. 50 km pro Tag und übernachten in B&B-Pensionen und brauchen dann nach dem guten Frühstück gar nichts mehr zu essen über Tag. Jetzt, als Lone Rentnerin geworden ist, können sie das erste Mal nach den Schulferien Urlaub machen und genießen es, dass viel weniger los ist und die Preise wesentlich günstiger. Während Bent zunächst unsicher war, was das „Carbon free“ auf meinem Schild genau bedeutet (immer wieder passiert es, dass es auf den Fahrradrahmen bezogen wird – an diese Möglichkeit hatte ich gar nicht gedacht!), war ihr als ehemaliger Chemie-Lehrerin sofort klar, dass es um den CO2-Ausstoß (bzw. seine Vermeidung) geht. Die beiden haben sich letztes Jahr zum ersten Mal ein Haus gekauft und alle Bekannten haben sie für verrückt erklärt, weil es Treppen hat – aber sie finden das genau richtig, um fit zu bleiben. Dieses Aktivitäts-Konzept hat uns sehr gefallen und wir fühlten uns auf der Ebene miteinander verbunden.

Kerstin kam ein paar Minuten nach uns am Campingplatz in Südlolland an, wo wir vergeblich versuchten, Kontakt zum Besitzer zu bekommen. Und sie kam mit wichtigen Informationen: 1. Der nächste Campingplatz lohnt sich nicht, da komme sie gerade her (wir wollten gerade dahin los). 2. In der Nähe gibt es ein Restaurant, das geöffnet hat. Also bauten wir unsere Zelte beieinander auf und radelten zusammen dorthin und verbrachten den Abend zusammen. Kerstin lebt und arbeitet an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Sie hat letztes Jahr angefangen, längere Fahrradtouren zu machen und obwohl sie zu Hause ein E-Bike hat, ist sie mit Muskelkraft unterwegs und fährt täglich auch Strecken, die uns beeindruckt haben. Sie trifft sich auf Møn mit ihrer Tochter und hat dafür ihre Tour angepasst.

Daniel begegnete ich beim Auffüllen der Wasserflaschen am nächsten Morgen, beide bereit, loszufahren. Vor der Tür kamen wir dann zu dritt mit Kerstin („zwei“, wie Catharina und ich sie dann zur Unterscheidung nannten) ins Gespräch. Die beiden sind aus Bremen und wollten eigentlich nach Norwegen. Es gab aber keinen Zug mehr zur Nordspitze von Dänemark und die Strecke von Flensburg zu fahren erlaubte ihre Zeit nicht. So entschieden sie sich – da sie für den Grenzübertretung sowieso sechs Übernachtungen nachweisen mussten – in Dänemark zu bleiben.

Kurze Zeit später haben wir uns in Rødbyhavn süße Teilchen gekauft – als wir rauskamen, standen Kerstin und Daniel vor der Tür. Wir haben uns dann beim Italiener auf einen Cappuccino getroffen und hatten Zeit zu einem intensiven Austausch und warteten gemeinsam das Ende des Schauers ab. Es gab eine bemerkenswerte Berufe-Dopplung: Daniel ist Lehrer an einer IGS (wie ich es war) und Kerstin arbeitet als Psychologin (wie Catharina). Der Punkt, der unser aller Erfahrung entsprach und über den wir viel gesprochen haben, ist: Kinder brauchen gute Beziehungen – mehr als alles andere.

In Maribo war es Zeit für eine Mittagspause. Am Markt trafen wir Peter – ein Deutscher, der seit vielen Jahren in Dänemark lebt, mit seiner Tochter Susanne. Sie machen von ihrer Pension aus kleine Radtouren in die Umgebung. Er ist aktives Mitglied im „Dansk Cyklist Forbund“.

In Maribos City Rock Restaurant haben wir vegane Burger verspeist. Dieser Ort ist ein Museum mit einer unfassbaren Flut von Sammlerstücken, die kaum zu erfassen ist. Inhaber Michael führte uns auch in den Hof und eine weitere Bar, die gestaltet ist, als wenn man sich unter Wasser befindet. Ich habe dutzende Fotos gemacht, die noch ein eigener Beitrag werden sollen – ihr könnt aber auch auf Facebook gucken oder cityrock.dk. Für Michael ist es schon die 42. Gründung – sein Konzept ist, etwas aufzubauen und zu entwickeln und dann zu verkaufen. Dieses Restaurant führt er erst seit einem Jahr, hat aber noch weitere Läden, die z. T. seine Kinder leiten; sie waren zum Teil auch an der Gestaltung beteiligt. Wenn ihr durch Lolland fahrt – macht hier einen Stopp und guckt euch alles an!

Nachdem wir Lolland durchquert hatten, waren wir auf der Fähre nach Bogø zusammen mit Joe aus Frankfurt. Mit seinem alten Moped aus der DDR und dem selbstgebauten Hänger möchte er nach – Istanbul! Gefragt, was er dann hier im Norden mache, meinte er, er wolle einen „kleinen Umweg“ über Schweden und Finnland nehmen. Na ja, bei 60 km/h sind größere Vorhaben ja durchaus in der begrenzten Zeit realisierbar. Ich erkundigte mich dann noch nach seinen Polstern – die habe er beim Sperrmüll entdeckt und zu schade gefunden, sie wegzuwerfen und nutzt sie statt Isomatte …, wenn sie dann irgendwann aufgebraucht seien, könne er sie ja immer noch wegwerfen. Das Ende der Fährfahrt begrenzte unser Gespräch; wer weiß, welche kuriosen Dinge ich sonst noch erfahren hätte. Auf jeden Fall ein individueller Typ!

Auf der anderen Seite der sehr betagten, aber auch sehr hübschen kleinen Fähre, die übrigens „Ida“ heißt und von einem Verein betrieben wird, der darum kämpft, sie zu erhalten, wusste ich, wohin ich wollte. Denn direkt am Fähranleger gibt es BogøBrød. Dort war ich 2019 schon mal von Møn aus (wo wir jetzt hin wollten) und habe da die gefühlt beste Pizza meines Lebens gegessen, gebacken von einem italienischen Pizzabäcker. Jetzt lernten wir dort den Besitzer Gustav kennen, der die ganze fantasievoll-bunte Gestaltung selbst gemacht hat. Er ist ganz erfüllt davon und glücklich damit, hier sein eigenes Ding zu machen. Selbst gebackenes Brot gibt es hier übrigens auch (ich habe vergessen zu fragen, ob das der originellen Namensbildung BogøBrød geschuldet ist – übrigens auch bei Facebook zu finden) – das lohnt selbst eine längere Anreise! Und weil es die Pizza nur zu bestimmten Zeiten gibt (dem Pizzabäcker sei seine Freizeit gegönnt), habe ich ein Sandwich gegessen, das mehr wie ein Riesen-Burger aussieht (nur ohne Patty) und ebenso köstlich war. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn ihr in der Gegend seid, versäumt nicht den Besuch! (Gemütlich ist es hier übrigens auch, drinnen wie draußen).

Mit der nächsten Fähre kam Kerstin – und wäre (wie so viele) glatt weitergefahren, wenn wir sie nicht gerufen hätten. Nach dem Austausch, was wir inzwischen erlebt haben (das war ja noch nicht so lange her), sind wir gemeinsam den Damm nach Møn rübergefahren. Da sie heute schon viel Strecke hinter sich hatte, bog sie jedoch zum ersten Campingplatz ab, während wir noch möglichst dicht an die Klippen heran wollten, um am nächsten Tag viel Zeit dafür zu haben. Wir vermuteten, dass wir uns am nächsten Tag an den Kreidefelsen treffen würden …

… wir waren dann aber sehr spät dran, weil Catharinas Vorderreifen platt war, als wir los wollten. Und weil wir Schwierigkeiten hatten, den Mantel von der Felge zu bekommen (obwohl wir schon zwei Mal „geübt“ hatten!), bin ich damit zu einem 7 km entfernten Fahrradladen gefahren. Danach dann zu den Klippen – und als wir ankamen, trafen wir Kerstin und Daniel wieder (die mit der anderen Kerstin auf dem Campingplatz zusammen waren, die aber viel früher losgefahren ist). Schon witzig, wie viele Wiederholungstreffen es gab!

Wir haben uns übrigens in der Pension Elmehøj bei Stege einquartiert, in der ich letztes Jahr meinen Freund Joachim aus Kopenhagen getroffen habe. Sie wird geführt von der sehr netten Brit, der man anmerkt, dass sie ihren Job jeden Tag wieder mit Freude macht – und genau das ist auch die Haltung, die sie uns im Gespräch beschrieben hat. Seht mehr auf elmehoj.dk

Wieder zurück von Møn planten wir den Besuch bei BøgyBrød so, dass wir Pizza essen konnten und wir ließen uns das letzte Schwarzbrot zurücklegen. Gustav hatte viel zu tun (was uns freute, denn wir wollen, dass es dieses Kleinod noch lange gibt) und so hatten wir nicht viel Zeit, miteinander zu sprechen – aber er schenkte Catharina zum Abschied ein kleines Holzschweinchen.

Dann ging es auf die letzte Fähre – die hatten wir ganz für uns alleine. In Stubbenkøbing fuhren wir direkt auf den Campingplatz und erlebten in der Nacht ein heftiges Gewitter. Es ging alles gut, aber im Nachhinein hätten wir uns besser in das feste Gebäude begeben. Hat man die Möglichkeit nicht, sollte man – die Räder mindestens zehn Meter entfernt lassen, ebenso sämtliche Elektrogeräte und Metallteile – das Zelt nicht unter einem Baum aufstellen, es sei denn mitten im Wald auf einer Lichtung oder unter gleich hohen Bäumen, nicht dagegen am Waldrand – das Zelt so aufbauen, dass es nicht den höchsten Punkt im Umkreis bildet – den Kontakt mit dem Boden minimieren, also in der Hocke die Füße zusammenstellen, möglichst auf die Zehenspitzen und den Partner nicht anfassen. Wenn möglich noch Isoliermaterial darunter wie die möglichst oft gefaltete Schlafmatte.

Als wir durch Stubbenkøbing fuhren, um Nordost-Falster zu erkunden, war Flohmarkt in der Innenstadt, es gab Livemusik und Tische und Bänke auf der Straße. Dort saßen wir neben unseren Rädern, als Stephan auf das Schild reagierte und uns ansprach. Er schwärmte von der Gegend, in der er und seine Frau Britt – die weitergegangen war – schon öfter Urlaub gemacht haben. Schließlich dauerte es ihr zu lange, sie kam zurück und mit Catharina ins Gespräch und zeigte ihr die eben erworbenen Kleidungs-Schätze, indem sie sie auf dem Fahrradlenker ausbreitete – sehr lustig! Schließlich kamen wir überein, gemeinsam was zu essen.

Britt besorgte was zu essen und zu trinken, wir packten unsere Verpflegung aus und so speisten wir zu viert und unterhielten uns lange. Ihr Wohnort nahe Dresden war Thema (in Großenhain, wo ich geboren bin, gehen sie gerne auf den Markt), Beziehung und was die Jahre machen oder nicht (sie sind 35 Jahre zusammen), Kennenlernen und vieles mehr. Wir hinterließen noch den BogøBrød-Tipp (sie konnten das Brot ja probieren) und mussten dann aber wirklich los – es war schon deutlich Nachmittag geworden.

An einem der wie wir fanden schönsten Küsten von Falster, im Nordosten bei Hesnaes, trafen wir diese drei. Dorte ist die Mutter von Peter und Sif; die beiden sind hier aufgewachsen, jetzt leben alle drei in Kopenhagen, treffen sich aber gerne in den Ferien hier in ihrem Sommerhaus; sie lieben es hier. Dorte interessierte sich sehr für die Ostsee-Tour und hat selbst schon einmal überlegt, das auch zu machen und hat die Idee weiter im Kopf. Es war ein recht kurzer, aber vom Gespräch her sehr angenehmer Kontakt – in solchen Momenten paart sich die Freude über die Begegnung mit dem Bedauern, dass so eine zufällige Begegnung halt auch begrenzt ist.

In Bruserup trafen wie diese Familie aus Dresden wieder, deren Zelt schon in Stubbenkøbing neben uns gestanden hatte und mit denen wir schon ins Gespräch gekommen waren: Anne und Lutz und ihre Töchter Hanna und Paula. Sie sind mit Rädern unterwegs und sammeln gerne Steine und zeigten uns ihre Schätze – zum Abschied schenkten Paula und Hanna uns jeweils einen von ihnen gefundenen „Donnerkeil“, wie die (vor 358 bis 70 Millionen Jahren!) versteinerten Tintenfisch-„Ruder“ im Volksmund genannt werden.

Der Grund aber, warum wir hierher gefahren sind als letzte Station, war – neben dem kleinen, feinen Platz direkt am Wasser – der Komponist und Dirigent Svend, den ich letztes Jahr schon kennenlernen durfte. Er erkannte mich – mit Bart und langen Haaren – zunächst nicht wieder, aber am nächsten Morgen haben wir lange sprechen und unseren Kontakt vertiefen können; Catharina und er fanden schön, sich auch kennengelernt zu haben. Ich mag seinen Humor sehr (zum Beispiel hat er mit Paula und Hanna Scherze gemacht, sie an die Ziegen zu verfüttern), sein profundes Wissen und auch eine gewisse, sympathische Schrulligkeit – so betont er seine „Ossi“-Neigung, weil er viele Jahre in der DDR gearbeitet und Freunde gewonnen hat; auch um die treffen zu können, hat er kurz nach der „Wende“ 1990 (wenn ich mich jetzt nicht irre – ich bin ja nicht so ein Zahlenmensch) diesen Platz hier gekauft. Er hatte übrigens aus Quatsch die Idee, dass ich mir den Bart halbieren solle – die ich dann tatsächlich aufgegriffen habe. Es wurde ein herzlicher Abschied mit dem Versprechen unsererseits, wieder her zu kommen und nächstes Mal für länger. Am nächsten Tag fuhren wir mit der Fähre von Gedser nach Rostock und nach einer Hotelübernachtung Catharina dann sehr früh mit dem Zug nach Oldenburg, um wieder zu arbeiten.

Am Morgen nach Catharinas Abreise wollte ich dann Svens Bart-Idee in einem Zwischenfoto umsetzen mit dem Gedanken, es ist Halbzeit – ich habe es dann sogelassen, weil mir halt gerade die Hälfte fehlt, nachdem Catharina abgereist ist. Es gefällt mir, das als Signal zu tragen (und ich ernte sehr unterschiedliche Reaktionen darauf – von laut lachend bis peinlich berührt wegsehend – das macht mir Spaß).

Paar vor Zelt

Auf dem ersten Campingplatz in Dänemark – den wir recht spät erreichen, weil wir Catharinas ersten Platten flicken mussten – zelteten neben uns Jolande und Aalt aus Utrecht. Er unterrichtet Niederländisch – wir sprachen u. a. darüber, wie das online zu Corona-Zeiten geht, sie hat früher Englisch unterrichtet, ist aber auch künstlerisch tätig, wie man auf ihrem Instagram-Account als „Jollande” sehen kann. Nach langen Gesprächen am Abend trafen wir sie am übernächsten Abend an und auf der Fähre nach Søby auf AErø wieder und dann auf dem Campingplatz in Søby. Sie sind mit dem Auto angereist und fahren mit dem Rad die Ostseeroute 8 in Dänemark.

Paar mit Rädern vor Meer

Henne und John sprachen uns an, als wir den schmalen Gendarmstieg direkt an der Küste fuhren. Sie hätten unsere Räder schon früher gesehen – da haben wir wohl gerade in einem Bistro etwas Erfrischendes getrunken (und eigentlich auch einen Salat bestellt, aber nachdem der Salatanteil daran – nicht übertrieben! – aus 3 Balsamicoblättchen und 4 Tomatenschnitzen bestand, doch darauf verzichtet). Sie fanden das Projekt der Ostseeumrundung spannend und fragten uns jetzt nach unserer Tour. Sie selbst machten einen Wochenend-Ausflug mit den Mountainbikes, eigentlich aus Skagen kommend.

Mann am Hafen

Die nächste Nacht zelteten wir „halbwild“ – in der Nähe eines kleinen Platzes, auf dem man campen darf; insgesamt gab es aber viel mehr Zelte auf der angrenzenden Wiese. Den Platz hatte ich letztes Jahr erprobt; durch die unmittelbare Nähe zum Hafen Høruphav bot er (wenn man eine Hafenkarte buchte, gegen geringe Gebühr) alle Annehmlichkeiten, die man sonst auf einem Campingplatz erkauft. Jan Henrik war der erste, der uns bei unserem Frühstück am Abfahrtstag an einem Banktisch im Hafen auf unser Schild ansprach. Er ist dort gebürtig und kommt als Segler gerne dahin zurück und freut sich, dass die Deutschen so vielen Liegegebühren bringen, was es dem Ort leicht macht, die Bedingungen für die Segler zu verbessern. Allerdings meinte er auch, dass im Trend zum Segeln auch Leute große Boote kaufen, die damit gar nicht umgehen können.

Paar am Hafen

Karen und Gitta aus Lübeck hatten nur 5 Tage Zeit und sind deshalb mit dem Zug nach Flensburg gefahren und von da mit dem Rad unterwegs, jetzt treten sie gerade den Rückweg an.

Mann vor Hafen

Hans Henrik wohnt mit seinem Hund Alto in der Nähe vom Hafen; er hat nach der Ostseetour gefragt – das Schild schafft wirklich Kontakte! –, aber es kam zu keinem längeren Gespräch, weil wir gerade im Aufbruch waren.

Familie mit Rädern

Weil Rahel mich nach meinem Schild fragte, lernten wir diese Familie näher kennen: Sebastian, Martin, Rahel und Katja aus Dresden. Wir fuhren dann auf der gleichen Fähre, freundeten uns an und fuhren dann gemeinsam zum Zeltplatz Søby.

Familie an Banktisch

Die Familie frühstückte morgens am Strand, mit dabei ist Lerke (links vorne), die sich mit Rahel angefreundet hat und die sehr viel zusammen gespielt und gemalt haben.

Hier haben wir gemeinsam zu Abend gegessen und danach eigentlich alle Mahlzeiten. An den Abenden tauschten wir uns intensiv über Privates und Berufliches, unsere Sicht der Welt usw. aus – und natürlich über die Erfahrungen, die wir mit unseren Kindern machen.

Martin ist ein exzellenter Fotograf (mit einfachen Mitteln), spezialisiert auf Detail- oder gar Makroaufnahmen von Flora und Fauna – hier ein Frosch am kleinen Teich auf dem Campingplatz.

Rahel schenkte uns zum Abschied einen bemalten Stein – wie hier zu sehen wunderschön eingepackt.

Hier ist Lerke mit ihrem Papa Jonas, der in Oldenburg im Fahrradladen Speiche arbeitet. Jonas campiert auch im Winter bei minus 30 Grad in Schweden!

Hier ist die ganze Familie zusammen – natürlich haben alle die Räder dabei! Von links, vor ihrer Übernachtungshütte auf dem Campingplatz Søby: Olga, Mira, Jonas, Lerke.

Randy hat hier das Sagen – sie gestaltet seit einem Jahr diesen „essbaren Campingplatz” in Søby – es kam sogar das Fernsehen, um darüber zu berichten (siehe folgendes Bild).

Alle Zelt- und Stellplätze auf dem Platz sind mit solchen Pflanzenkübeln voneinander abgetrennt, in denen meistens essbare Kräuter gepflanzt und zum Gebrauch bestimmt sind.

Sie ist nicht nur überaus freundlich, sondern hat immer ein Auge für die Bedürfnisse anderer; ob mir Feuer zum Anzünden des Kochers fehlt oder den Kindern Papier zum Zeichnen. Hier half Randy uns bei der Buchung der Fähre, weil die Seite auf dänisch ist. Sie war mit ihrem Mann mehrere Jahre in der Welt unterwegs; zuerst in einem Camper, dann in einem LKW, den sie sich ausgebaut haben und in dem sie immer noch leben.

Randys Sohn Rasmus ist der zweite von vier Familienmitgliedern, die den Campingplatz betreiben; seine zukünftige Frau (sie heiraten im Oktober) und Randys Mann eher im Hintergrund.

Jasmin aus Kopenhagen ist mir der vier Monate alten, sehr süßen Skibbi auf dem Fahrrad unterwegs. Eigentlich sollte es eine große Reise im Balkan werden – aber Corona hat einen Strich durch die Rechnung gemacht und sie fahren jetzt durch Dänemark. Jasmin war schon mehrfach mit dem Rad in Spanien und Portugal bis Marokko.

Bei einem Tagesausflug nach Marstal haben wir in diesem Fischrestaurant direkt am Hafen hervorragend gegessen – es gab sogar ein veganes Gericht auf der Karte. Und wir haben den Tag gefeiert und diesen Urlaub und das Leben … Am Tag darauf haben wir uns dann doch von unserem Lieblings-Campingplatz getrennt – nachdem wir eine Woche statt wie geplant einer Nacht da waren – und sind nach Svendborg geschippert.

Aus einem akribisch geplanten südfynischen Inselhopping zu sieben Inseln bei drei Übernachtungen wurde leider nichts – wir hatten übersehen, dass das Angebot am Vortag – dem letzten Ferientag in Dänemark – endete und die Fähren nicht mehr fuhren. Aber uns blieb die Fähre nach Skarø, wo ich mit dieser bezaubernden Familie ins Gespräch kam: Mina aus Aarhus und Søren aus Svendborg – glücklich mit ihrem fünf Monate alten Sohn Frederik.

Klaus und Monika hatten wir schon auf dem Campingplatz in Søby gesehen, waren aber nicht in Kontakt miteinander gekommen. Auf der Fähre von Skarø nach Drejø holten wir das nach, trafen uns auf der Insel vor dem Laden wieder, tranken zusammen was und fuhren dann zum alten Hafen, um dort unsere Zelte aufzuschlagen und zu übernachten. So lernten wir die beiden Emder näher kennen. Klaus’ Leidenschaft ist eigentlich das Seekajak-Fahren, er ist sogar schon in Spitzbergen gepaddelt!

Elna und Torben aus Faaborg sind Stammgäste hier – seit 20 Jahren schippern sie mit ihrem Folkeboot – eines der letzten, das noch aus Holz gebaut wurde – durch die Insellandschaft von Südfynen.

Kira und Thomas kamen mit dem Kajak und zelteten neben uns. Thomas hat bereits 1992 große Teile der Ostsee mit dem Rad umrundet; besonders aufregend fand er es in Russland und Sankt Petersburg, wo es ein halbes Jahr nach den politischen Umwälzungen so unsicher war, dass selbst die Grenzer ihn warnten und fragten, ob er denn wirklich einreisen wolle.

Immer wieder kamen wir mit Torben ins Gespräch, der sehr viel über diese Gegend zu berichten wusste – und natürlich über die Gepflogenheiten auf diesem Platz, der eigentlich Segler- und Kajakfahrer*innen vorbehalten ist – aber wir Radler wurden geduldet, wohl weil der Platz sonst frei war – es kam jemand, der abends die Flagge herunterholte und morgens wieder hisste. Dazu erzählte uns Torben zum Beispiel, dass wenn die Fahne nachts hängen bliebe, sie der Sage nach dem Teufel dienen würde.

Wir hatten uns auch über den Roman „Wir Ertrunkenen“ unterhalten, der in Marstal spielt – Torben und Elna erzählten von der Aufführung der belgischen Theatergruppe „Walpurgis“, die ihn dramatisiert und hier in einem Dock aufgeführt haben; besonders beeindruckt hat ihn dabei die Verwendung der Musik, die die Stimmungen jeweils untermalt hat. Er erzählte auch von verschiedenen Jazz-Festivals in der Gegend und dass sein Neffe auf Skarø jedes Jahr (außer 2020) Ende Juni ein Festival veranstaltet, zu dem ca. 1500 Menschen kommen – und wo er Karten abreisst.

Bevor wir gemeinsam zur Fähre fuhren, machten Klaus und Monika, mit denen wir auch abends und morgens zusammen gegessen und uns viel unterhalten haben, und wir noch gegenseitig Fotos von einander. Die beiden wollten Station auf Skarø machen, …

Den Käscher schwenkte Catharina über meinem Kopf, um Monika und Klaus zum Lachen zu bringen – leider hat sie dann „vergessen“, ihn runter zu nehmen, als wir fotografiert wurden 😉

Lotte schaute sich am Strand von Tullebølle auf Langeland meine Steinskulpturen an, fotografierte sie und fragte mich, ob ich ein Künstler sei 🙂 Sie ist Dänin aus der Nähe von Aarhus und zum ersten Mal in diesem Landesteil – sie und ihr Mann seien sonst auf dem Festland geblieben und jetzt ganz begeistert, was es hier zu entdecken gibt. Sie verriet mir, dass genau an diesem Strand 1819 die dänische Nationalhymne von Adam Oehlenschläger gedichtet worden sein soll, die heute z. B. bei Sportveranstaltungen gespielt wird (es gibt laut Wikipedia noch eine andere Hymne, die zu offiziellen Anlässen der Monarchie gespielt wird).

Diese wunderbare, über 200 Jahre alte Buche soll ihn inspiriert haben – sie wird seitdem die Oehlenschläger-Buche genannt. Und so geht der Text der ersten Strophe: Es liegt ein lieblich Land Im Schatten breiter Buchen Am salz’gen Ostseestrand. An Hügelwellen träumt’s, im Tal, Alt-Dänemark, so heißt es Und ist der Freya Saal.

Catharina hatte die Idee, an ihr unsere Kletterkünste zu erproben: Zuerst ich, …

… dann Catharina.

Zwei Tage später, dieselbe Stelle am wunderbaren Baum, haben wir neue, besondere Menschen kennengelernt: Bent und Lone aus Kopenhagen. Sie betrachten unsere Räder und sind selbst Radler, haben beide nicht mal einen Führerschein. Sie sind immer mit dem Rad zur Arbeit gefahren (sein Shirt bezieht sich darauf) und auch im Urlaub – wie wir eher gemütlich mit ca. 50 km pro Tag und übernachten in B&B-Pensionen und brauchen dann nach dem guten Frühstück gar nichts mehr zu essen über Tag. Jetzt, als Lone Rentnerin geworden ist, können sie das erste Mal nach den Schulferien Urlaub machen und genießen es, dass viel weniger los ist und die Preise wesentlich günstiger. Während Bent zunächst unsicher war, was das „Carbon free“ auf meinem Schild genau bedeutet (immer wieder passiert es, dass es auf den Fahrradrahmen bezogen wird – an diese Möglichkeit hatte ich gar nicht gedacht!), war ihr als ehemaliger Chemie-Lehrerin sofort klar, dass es um den CO2-Ausstoß (bzw. seine Vermeidung) geht. Die beiden haben sich letztes Jahr zum ersten Mal ein Haus gekauft und alle Bekannten haben sie für verrückt erklärt, weil es Treppen hat – aber sie finden das genau richtig, um fit zu bleiben. Dieses Aktivitäts-Konzept hat uns sehr gefallen und wir fühlten uns auf der Ebene miteinander verbunden.

Frau mit Rad

Kerstin kam ein paar Minuten nach uns am Campingplatz in Südlolland an, wo wir vergeblich versuchten, Kontakt zum Besitzer zu bekommen. Und sie kam mit wichtigen Informationen: 1. Der nächste Campingplatz lohnt sich nicht, da komme sie gerade her (wir wollten gerade dahin los). 2. In der Nähe gibt es ein Restaurant, das geöffnet hat. Also bauten wir unsere Zelte beieinander auf und radelten zusammen dorthin und verbrachten den Abend zusammen. Kerstin lebt und arbeitet an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Sie hat letztes Jahr angefangen, längere Fahrradtouren zu machen und obwohl sie zu Hause ein E-Bike hat, ist sie mit Muskelkraft unterwegs und fährt täglich auch Strecken, die uns beeindruckt haben. Sie trifft sich auf Møn mit ihrer Tochter und hat dafür ihre Tour angepasst.

Paar vor Hecke

Daniel begegnete ich beim Auffüllen der Wasserflaschen am nächsten Morgen, beide bereit, loszufahren. Vor der Tür kamen wir dann zu dritt mit Kerstin („zwei“, wie Catharina und ich sie dann zur Unterscheidung nannten) ins Gespräch. Die beiden sind aus Bremen und wollten eigentlich nach Norwegen. Es gab aber keinen Zug mehr zur Nordspitze von Dänemark und die Strecke von Flensburg zu fahren erlaubte ihre Zeit nicht. So entschieden sie sich – da sie für den Grenzübertretung sowieso sechs Übernachtungen nachweisen mussten – in Dänemark zu bleiben.

Kurze Zeit später haben wir uns in Rødbyhavn süße Teilchen gekauft – als wir rauskamen, standen Kerstin und Daniel vor der Tür. Wir haben uns dann beim Italiener auf einen Cappuccino getroffen und hatten Zeit zu einem intensiven Austausch und warteten gemeinsam das Ende des Schauers ab. Es gab eine bemerkenswerte Berufe-Dopplung: Daniel ist Lehrer an einer IGS (wie ich es war) und Kerstin arbeitet als Psychologin (wie Catharina). Der Punkt, der unser aller Erfahrung entsprach und über den wir viel gesprochen haben, ist: Kinder brauchen gute Beziehungen – mehr als alles andere.

Paar mit Rädern

In Maribo war es Zeit für eine Mittagspause. Am Markt trafen wir Peter – ein Deutscher, der seit vielen Jahren in Dänemark lebt, mit seiner Tochter Susanne. Sie machen von ihrer Pension aus kleine Radtouren in die Umgebung. Er ist aktives Mitglied im „Dansk Cyklist Forbund“.

Mann am Zapfhahn

In Maribos City Rock Restaurant haben wir vegane Burger verspeist. Dieser Ort ist ein Museum mit einer unfassbaren Flut von Sammlerstücken, die kaum zu erfassen ist. Inhaber Michael führte uns auch in den Hof und eine weitere Bar, die gestaltet ist, als wenn man sich unter Wasser befindet. Ich habe dutzende Fotos gemacht, die noch ein eigener Beitrag werden sollen – ihr könnt aber auch auf Facebook gucken oder cityrock.dk. Für Michael ist es schon die 42. Gründung – sein Konzept ist, etwas aufzubauen und zu entwickeln und dann zu verkaufen. Dieses Restaurant führt er erst seit einem Jahr, hat aber noch weitere Läden, die z. T. seine Kinder leiten; sie waren zum Teil auch an der Gestaltung beteiligt. Wenn ihr durch Lolland fahrt – macht hier einen Stopp und guckt euch alles an!

Mann, Moped mit Hänger, Fähre

Nachdem wir Lolland durchquert hatten, waren wir auf der Fähre nach Bogø zusammen mit Joe aus Frankfurt. Mit seinem alten Moped aus der DDR und dem selbstgebauten Hänger möchte er nach – Istanbul! Gefragt, was er dann hier im Norden mache, meinte er, er wolle einen „kleinen Umweg“ über Schweden und Finnland nehmen. Na ja, bei 60 km/h sind größere Vorhaben ja durchaus in der begrenzten Zeit realisierbar. Ich erkundigte mich dann noch nach seinen Polstern – die habe er beim Sperrmüll entdeckt und zu schade gefunden, sie wegzuwerfen und nutzt sie statt Isomatte …, wenn sie dann irgendwann aufgebraucht seien, könne er sie ja immer noch wegwerfen. Das Ende der Fährfahrt begrenzte unser Gespräch; wer weiß, welche kuriosen Dinge ich sonst noch erfahren hätte. Auf jeden Fall ein individueller Typ!

Auf der anderen Seite der sehr betagten, aber auch sehr hübschen kleinen Fähre, die übrigens „Ida“ heißt und von einem Verein betrieben wird, der darum kämpft, sie zu erhalten, wusste ich, wohin ich wollte. Denn direkt am Fähranleger gibt es BogøBrød. Dort war ich 2019 schon mal von Møn aus (wo wir jetzt hin wollten) und habe da die gefühlt beste Pizza meines Lebens gegessen, gebacken von einem italienischen Pizzabäcker. Jetzt lernten wir dort den Besitzer Gustav kennen, der die ganze fantasievoll-bunte Gestaltung selbst gemacht hat. Er ist ganz erfüllt davon und glücklich damit, hier sein eigenes Ding zu machen. Selbst gebackenes Brot gibt es hier übrigens auch (ich habe vergessen zu fragen, ob das der originellen Namensbildung BogøBrød geschuldet ist – übrigens auch bei Facebook zu finden) – das lohnt selbst eine längere Anreise! Und weil es die Pizza nur zu bestimmten Zeiten gibt (dem Pizzabäcker sei seine Freizeit gegönnt), habe ich ein Sandwich gegessen, das mehr wie ein Riesen-Burger aussieht (nur ohne Patty) und ebenso köstlich war. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn ihr in der Gegend seid, versäumt nicht den Besuch! (Gemütlich ist es hier übrigens auch, drinnen wie draußen).

Frau mit Getränk

Mit der nächsten Fähre kam Kerstin – und wäre (wie so viele) glatt weitergefahren, wenn wir sie nicht gerufen hätten. Nach dem Austausch, was wir inzwischen erlebt haben (das war ja noch nicht so lange her), sind wir gemeinsam den Damm nach Møn rübergefahren. Da sie heute schon viel Strecke hinter sich hatte, bog sie jedoch zum ersten Campingplatz ab, während wir noch möglichst dicht an die Klippen heran wollten, um am nächsten Tag viel Zeit dafür zu haben. Wir vermuteten, dass wir uns am nächsten Tag an den Kreidefelsen treffen würden …

… wir waren dann aber sehr spät dran, weil Catharinas Vorderreifen platt war, als wir los wollten. Und weil wir Schwierigkeiten hatten, den Mantel von der Felge zu bekommen (obwohl wir schon zwei Mal „geübt“ hatten!), bin ich damit zu einem 7 km entfernten Fahrradladen gefahren. Danach dann zu den Klippen – und als wir ankamen, trafen wir Kerstin und Daniel wieder (die mit der anderen Kerstin auf dem Campingplatz zusammen waren, die aber viel früher losgefahren ist). Schon witzig, wie viele Wiederholungstreffen es gab!

Wir haben uns übrigens in der Pension Elmehøj bei Stege einquartiert, in der ich letztes Jahr meinen Freund Joachim aus Kopenhagen getroffen habe. Sie wird geführt von der sehr netten Brit, der man anmerkt, dass sie ihren Job jeden Tag wieder mit Freude macht – und genau das ist auch die Haltung, die sie uns im Gespräch beschrieben hat. Seht mehr auf elmehoj.dk

Mann vor bemalter Wand

Wieder zurück von Møn planten wir den Besuch bei BøgyBrød so, dass wir Pizza essen konnten und wir ließen uns das letzte Schwarzbrot zurücklegen. Gustav hatte viel zu tun (was uns freute, denn wir wollen, dass es dieses Kleinod noch lange gibt) und so hatten wir nicht viel Zeit, miteinander zu sprechen – aber er schenkte Catharina zum Abschied ein kleines Holzschweinchen.

Paar auf Fähre

Dann ging es auf die letzte Fähre – die hatten wir ganz für uns alleine. In Stubbenkøbing fuhren wir direkt auf den Campingplatz und erlebten in der Nacht ein heftiges Gewitter. Es ging alles gut, aber im Nachhinein hätten wir uns besser in das feste Gebäude begeben. Hat man die Möglichkeit nicht, sollte man – die Räder mindestens zehn Meter entfernt lassen, ebenso sämtliche Elektrogeräte und Metallteile – das Zelt nicht unter einem Baum aufstellen, es sei denn mitten im Wald auf einer Lichtung oder unter gleich hohen Bäumen, nicht dagegen am Waldrand – das Zelt so aufbauen, dass es nicht den höchsten Punkt im Umkreis bildet – den Kontakt mit dem Boden minimieren, also in der Hocke die Füße zusammenstellen, möglichst auf die Zehenspitzen und den Partner nicht anfassen. Wenn möglich noch Isoliermaterial darunter wie die möglichst oft gefaltete Schlafmatte.

Paar hinter Fahrrad, Kleidungsstücke auf dem Lenker

Als wir durch Stubbenkøbing fuhren, um Nordost-Falster zu erkunden, war Flohmarkt in der Innenstadt, es gab Livemusik und Tische und Bänke auf der Straße. Dort saßen wir neben unseren Rädern, als Stephan auf das Schild reagierte und uns ansprach. Er schwärmte von der Gegend, in der er und seine Frau Britt – die weitergegangen war – schon öfter Urlaub gemacht haben. Schließlich dauerte es ihr zu lange, sie kam zurück und mit Catharina ins Gespräch und zeigte ihr die eben erworbenen Kleidungs-Schätze, indem sie sie auf dem Fahrradlenker ausbreitete – sehr lustig! Schließlich kamen wir überein, gemeinsam was zu essen.

Paar am Tisch

Britt besorgte was zu essen und zu trinken, wir packten unsere Verpflegung aus und so speisten wir zu viert und unterhielten uns lange. Ihr Wohnort nahe Dresden war Thema (in Großenhain, wo ich geboren bin, gehen sie gerne auf den Markt), Beziehung und was die Jahre machen oder nicht (sie sind 35 Jahre zusammen), Kennenlernen und vieles mehr. Wir hinterließen noch den BogøBrød-Tipp (sie konnten das Brot ja probieren) und mussten dann aber wirklich los – es war schon deutlich Nachmittag geworden.

Frau mit Sohn und Tochter

An einem der wie wir fanden schönsten Küsten von Falster, im Nordosten bei Hesnaes, trafen wir diese drei. Dorte ist die Mutter von Peter und Sif; die beiden sind hier aufgewachsen, jetzt leben alle drei in Kopenhagen, treffen sich aber gerne in den Ferien hier in ihrem Sommerhaus; sie lieben es hier. Dorte interessierte sich sehr für die Ostsee-Tour und hat selbst schon einmal überlegt, das auch zu machen und hat die Idee weiter im Kopf. Es war ein recht kurzer, aber vom Gespräch her sehr angenehmer Kontakt – in solchen Momenten paart sich die Freude über die Begegnung mit dem Bedauern, dass so eine zufällige Begegnung halt auch begrenzt ist.

Familie mit zwei Kindern draußen am Tisch.

In Bruserup trafen wie diese Familie aus Dresden wieder, deren Zelt schon in Stubbenkøbing neben uns gestanden hatte und mit denen wir schon ins Gespräch gekommen waren: Anne und Lutz und ihre Töchter Hanna und Paula. Sie sind mit Rädern unterwegs und sammeln gerne Steine und zeigten uns ihre Schätze – zum Abschied schenkten Paula und Hanna uns jeweils einen von ihnen gefundenen „Donnerkeil“, wie die (vor 358 bis 70 Millionen Jahren!) versteinerten Tintenfisch-„Ruder“ im Volksmund genannt werden.

Mann im elektrischen Rollstuhl

Der Grund aber, warum wir hierher gefahren sind als letzte Station, war – neben dem kleinen, feinen Platz direkt am Wasser – der Komponist und Dirigent Svend, den ich letztes Jahr schon kennenlernen durfte. Er erkannte mich – mit Bart und langen Haaren – zunächst nicht wieder, aber am nächsten Morgen haben wir lange sprechen und unseren Kontakt vertiefen können; Catharina und er fanden schön, sich auch kennengelernt zu haben. Ich mag seinen Humor sehr (zum Beispiel hat er mit Paula und Hanna Scherze gemacht, sie an die Ziegen zu verfüttern), sein profundes Wissen und auch eine gewisse, sympathische Schrulligkeit – so betont er seine „Ossi“-Neigung, weil er viele Jahre in der DDR gearbeitet und Freunde gewonnen hat; auch um die treffen zu können, hat er kurz nach der „Wende“ 1990 (wenn ich mich jetzt nicht irre – ich bin ja nicht so ein Zahlenmensch) diesen Platz hier gekauft. Er hatte übrigens aus Quatsch die Idee, dass ich mir den Bart halbieren solle – die ich dann tatsächlich aufgegriffen habe. Es wurde ein herzlicher Abschied mit dem Versprechen unsererseits, wieder her zu kommen und nächstes Mal für länger. Am nächsten Tag fuhren wir mit der Fähre von Gedser nach Rostock und nach einer Hotelübernachtung Catharina dann sehr früh mit dem Zug nach Oldenburg, um wieder zu arbeiten.

Kopf im Spiegel mit halbiertem Bart

Am Morgen nach Catharinas Abreise wollte ich dann Svens Bart-Idee in einem Zwischenfoto umsetzen mit dem Gedanken, es ist Halbzeit – ich habe es dann sogelassen, weil mir halt gerade die Hälfte fehlt, nachdem Catharina abgereist ist. Es gefällt mir, das als Signal zu tragen (und ich ernte sehr unterschiedliche Reaktionen darauf – von laut lachend bis peinlich berührt wegsehend – das macht mir Spaß).

Kommentare zu // Comments on - "Die ich traf: in Dänemark (2. Etappe, 2020, 2.) //
Whom I met: in Denmark (2. stage, 2020, 2.) ":

  1. LIeber Frank, ich bin nun ja schon zu Hause angekommen und freue mich sehr über die schönen Fotos und Erinnerungen. Bei Svend kann ich den Schalk in den Augen sehen. Was für ein besonderer Mensch. So viele besondere Menschen. Eine schöne Reise war das und ist sehr empfehlenswert mit dem Fahrrad und offenen Augen durch die Welt zu radeln. Liebe Grüße aus Oldenburg
    Catharina

  2. wobei … wenn ich mir das letzte Foto ansehe mit dem halben Bart … denke ich, dass ich sehr schnell wieder zu dir kommen muss, um dich von diesem Trip zu befreien.

    1. Ich finde das nach wie vor ganz witzig. Und je mehr die andere Seite nachwächst, um so weniger fällt es auf. In den letzten Tagen hat niemand mehr darauf reagiert – jedenfalls nicht, dass ich es bemerkt hätte.

  3. Lieber Frank und liebe Catharina,
    mittlerweile ist eine ganze Zeit vergangen seit wir uns in Dänemark trafen. Wenn ich jetzt so die Bilder betrachte denke ich an eine schöne Zeit zurück. Ich habe die kurze Begegnung mit euch sehr genossen und wie schade das wir uns auf Mön verpasst haben. Kerstin und Daniel sind mir auf dem nächsten Campingplatz noch einmal begegnet.
    Ich hoffe ihr seid wohlauf, viele liebe Grüße aus Meldorf
    Kerstin

    1. Hallo Kerstin – wie schön! Ja, auf Mön sind wir viel später als gedacht zum Kreidefelsen gekommen, weil Catharina einen Platten hatte und weil wir Schwierigkeiten damit hatten, habe ich ihn in die Stadt zur Reparatur gefahren und wieder zurück, dann wollten wir erst was essen usw., so hat sich alles sehr verzögert.
      Uns geht es gut – wir hoffen, dir auch!

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